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Health Check

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Einordnung POM

Der Health Check ist ein Steuerungsinstrument innerhalb der Projektdurchführungsphase des Project Operation Models (POM). Er dient dazu, den aktuellen “Gesundheitszustand” des Projekts ganzheitlich zu bewerten — sowohl anhand quantitativer Kennzahlen (Zeit, Kosten, Scope) als auch qualitativer Faktoren wie Teamdynamik, Stakeholderzufriedenheit, Governance-Strukturen und methodischer Passung.
Ziel ist es, frühzeitig Abweichungen, Risiken, Spannungen oder blinde Flecken zu erkennen und auf dieser Basis fundierte Entscheidungen zur Stabilisierung oder Neuausrichtung des Projekts treffen zu können.

Warum Health Check?

Der Mehrwert eines Health Checks liegt in der objektiven, strukturierten und regelmäßig wiederholbaren Statusbestimmung des Projekts. Während operative Teams oft stark im Tagesgeschäft gebunden sind, schafft der Health Check einen Reflexionsraum, in dem Fakten, Wahrnehmungen und Erwartungen systematisch abgeglichen werden.
So lassen sich beispielsweise Kosten- oder Terminrisiken frühzeitig erkennen, Team- oder Kommunikationsprobleme sichtbar machen oder Spannungen zwischen Methodik und Organisationskultur identifizieren. Der Health Check trägt damit aktiv zur Stabilisierung des Projekts, zur Risikominimierung und zur Erhöhung der Erfolgswahrscheinlichkeit bei — bevor kritische Schwellen überschritten werden.

Benötigte Expertise zur Durchführung

Ein wirkungsvoller Health Check erfordert methodische, analytische und soziale Kompetenz. Idealerweise wird er moderiert durch erfahrene Projektmanager:innen, PMO-Funktionen oder externe Prüfinstanzen, die einen neutralen Blick gewährleisten können.
Wesentliche Kompetenzfelder sind:

  • Analyse quantitativer Leistungsdaten
    z. B. Earned-Value-Methodik, Termin- und Budgetcontrolling, Scope-Bewertung.

  • Diagnose qualitativer Faktoren
    z. B. Interviews, Beobachtungen, Moderation, Konflikt- und Feedbackkompetenz.

  • Verständnis von Methoden und Governance-Strukturen
    inkl. Bewertung der Passung zwischen Vorgehensmodell, Projektkomplexität und Organisationskultur.

  • Kommunikations- und Vertrauensfähigkeit
    um ehrliche und unverfälschte Rückmeldungen zu ermöglichen.

Entscheidend ist eine neutral-konstruktive Haltung: Der Health Check ist kein Kontrollinstrument, sondern ein Entwicklungs- und Lernwerkzeug.

Voraussetzungen

Damit ein Health Check wirksam sein kann, braucht es bestimmte Rahmenbedingungen:

  • Transparenz und Offenheit — Beteiligte müssen ehrlich sprechen dürfen.

  • Klare Zielsetzung — Was soll der Health Check klären oder verbessern?

  • Verbindlichkeit in der Nachverfolgung — Ergebnisse müssen in Maßnahmen überführt werden.

  • Ausreichende Datenbasis — z. B. Plan-/Ist-Werte, Statusberichte, Risikoanalysen.

  • Organisatorische Unterstützung — insbesondere durch Auftraggeber und Führung.

Nur wenn Ergebnisse ernst genommen und sichtbar umgesetzt werden, entsteht Vertrauen in das Instrument.

Potenzielle Probleme

Probleme entstehen häufig, wenn der Health Check rein formal oder defensiv verstanden wird. Typische Risiken sind:

  • Schönfärbung oder Zurückhalten von Informationen
    aus Angst vor Konsequenzen oder Reputationsverlust.

  • Fehlende Unabhängigkeit der Prüfer:innen
    wodurch kritische Punkte nicht objektiv bewertet werden.

  • Fokus nur auf Zahlen — ohne Kultur und Zusammenarbeit zu betrachten
    wodurch Ursachen unsichtbar bleiben.

  • Keine Umsetzung der Ergebnisse
    was zu Frustration und Zynismus im Team führt.

  • Instrumentalisierung als „Fehler-Suche“
    statt als Lern- und Entwicklungsformat.

Ein Health Check entfaltet seinen vollen Nutzen nur dann, wenn er vertrauensvoll, systematisch, wertschätzend und lösungsorientiert durchgeführt wird.

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