Analyse der Studie "Erfolgsfaktoren im Projektmanagement – Eine evidenzbasierte Studie" (Komus et al., 2015)
- Stephan Bellmann
- 4. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
1. Von wann ist die Studie?
Die Studie wurde im Mai 2015 veröffentlicht.
2. Wer hat die Studie veröffentlicht? (Institutionen & Personen)
Die Studie wurde gemeinsam von folgenden Institutionen und Personen erstellt:
BPM-Labor der Hochschule Koblenz
Prof. Dr. Ayelt Komus (Leitung und Hauptautor)
GPM – Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V.
Heupel Consultants
Zu den namentlich genannten Autoren gehören:
Prof. Dr. Ayelt Komus (HS Koblenz)
Yvonne Ietia (HS Koblenz)
Maximilian Paul Kassner (HS Koblenz)
Michelle Gombert (HS Koblenz)
Moritz Kuberg (HS Koblenz)
Thomas Heupel (Heupel Consultants) fileciteturn0file0
3. Was wurde in der Studie gemacht? (Inhalt & Datengrundlage)
Die Studie untersucht systematisch, welche Faktoren maßgeblich zum Erfolg oder Misserfolg von Projekten beitragen. Dazu wurden über eine umfangreiche Online-Befragung Praktiken, Rahmenbedingungen und Verhaltensweisen in Projekten erhoben und statistisch ausgewertet.
Die Autoren vergleichen erfolgreiche mit weniger erfolgreichen Projekten anhand messbarer
Parameter und analysieren Unterschiede in Themenfeldern wie:
Projektauftrag
Projektorganisation
Methodenkompetenz des Projektleiters
Teamarbeit & Motivation
Konfliktmanagement
Risikomanagement
Reporting & Controlling
Projektinitialisierung
Durch diese systematische Gegenüberstellung sollte eine evidenzbasierte Grundlage geschaffen werden, um von Hypothesen und Erfahrungswissen zu objektiveren Aussagen über Erfolgsfaktoren im Projektmanagement zu gelangen.

4. Welche Methode wurde angewendet? (inkl. Bewertung der Methode)
Die Studie basiert auf einer quantitativen Online-Erhebung, deren Ergebnisse mit statistischen Methoden ausgewertet wurden.
Wesentliche methodische Elemente:
Vergleich zweier Projektgruppen: Die Studie vergleicht erfolgreiche und weniger erfolgreiche Projekte, um Unterschiede zu erkennen.
Bewertung der Stärke dieser Unterschiede: Statt nur festzustellen, dass ein Unterschied existiert, wurde auch gemessen, wie stark dieser Unterschied wirklich ist.
Einteilung der Ergebnisse: Die Ergebnisse wurden anschließend in drei Gruppen eingeordnet – starker Einfluss, mittlerer Einfluss oder geringer Einfluss.
Bewertung der Methode: Die Methodik ist solide aufgebaut und orientiert sich an gängigen empirischen Standards. Besonders positiv hervorzuheben ist die Verwendung von Effektstärken, da diese über die reine Signifikanz hinaus Aussagen zur tatsächlichen Bedeutung eines Faktors ermöglichen. Allerdings basiert die Studie ausschließlich auf Selbstauskünften, was immer zu gewissen Verzerrungen führen kann (z. B. subjektive Projektbewertung, Rückschaufehler). Dennoch entsteht durch die große Stichprobe und die systematische Analyse ein sehr belastbares Bild.
5. Was ist das zentrale Ergebnis der Studie?
Die Studie zeigt klar, dass weiche Faktoren – insbesondere Führung, Konfliktkultur und Teamverhalten – einen deutlich höheren Einfluss auf den Projekterfolg haben als viele klassische organisatorische und methodische Aspekte.
Besonders hervorzuheben sind vier zentrale Erfolgsfaktoren:
Klare Rollendefinitionen & Kompetenzklärung
Frühzeitiges und wirksames Risikomanagement durch den Projektleiter
Zeitnahe und ausreichende Entscheidungen
Gelebte Fehlerkultur

Diese Faktoren weisen die höchsten Effektstärken aller untersuchten Praktiken auf.
6. Was ist das Ergebnis im Detail?
Konfliktmanagement
ist einer der stärksten Einflussfaktoren. Offener, wertneutraler Umgang mit Konflikten fördert den Projekterfolg erheblich.

Führungskompetenz des Projektleiters
ist entscheidend: Methodenkompetenz, soziale Kompetenz, Risikofrüherkennung und Teammotivation unterscheiden erfolgreiche von weniger erfolgreichen Projekten deutlich.

Projektauftrag & Stakeholder-Einbindung:
Eine klare Aufgabenstellung sowie frühzeitige, kontinuierliche Einbindung relevanter Stakeholder wirken stark erfolgsfördernd.+

Teamkultur:
Eine funktionierende Fehlerkultur, konstruktiver Umgang mit Anforderungen und gemeinsame fachliche Grundlagen sind zentrale Erfolgshebel.

Organisatorische Aspekte,
wie Vertragsgestaltung, Dokumentation oder formale Strukturen, haben im Vergleich nur geringe bis mittlere Effekte.

7. Wie bekannt ist die Studie bzw. wie oft wird sie verwendet?
Die Studie von Komus et al. gehört im deutschsprachigen Raum zu den bekannteren Untersuchungen im Bereich Projektmanagement. Sie wurde häufig zitiert, u. a. durch:
GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement
Hochschulen
Fachliteratur zu PM-Standards
zahlreiche Weiterbildungsanbieter
Sie wird insbesondere wegen ihres evidenzbasierten Ansatzes regelmäßig in Trainings und Veröffentlichungen herangezogen. Internationale Verbreitung ist geringer, da sie primär auf den deutschsprachigen Raum fokussiert.
8. Welche Kritik gibt es an der Studie?
Trotz ihrer hohen Relevanz gibt es einige Kritikpunkte, die häufig im wissenschaftlichen Diskurs genannt werden:
1. Selbstberichtete Daten
Die Projektbewertung erfolgte rückblickend durch Befragte, was subjektive Verzerrungen begünstigt (z. B. Erfolgskonstruktion im Nachhinein).
2. Keine unabhängige Erfolgsmessung
Es werden keine objektiven Projekterfolgskennzahlen (Zeit, Kosten, Qualität) verwendet, sondern wahrgenommene Erfolgsgrade.
3. Nicht-experimenteller Ansatz
Die statistischen Zusammenhänge zeigen Korrelation, aber keine sichere Kausalität.
4. Stichprobenstruktur
Die Stichprobe setzt sich überwiegend aus Personen zusammen, die bereits PM-affin sind – dies kann bestimmte Sichtweisen verstärken.
5. Übergewicht weicher Faktoren
Der hohe Einfluss weicher Faktoren könnte teilweise durch retrospektive Verzerrungen erklärt werden (Erfolgreiche Projekte → positive Erinnerung an Team und Führung).
Trotz dieser Punkte bleibt die Studie fachlich fundiert und in der PM-Community sehr angesehen.





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