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Analyse der Studie "Ökosystem Projekt – Projektumfeldstudie"

  • Autorenbild: Stephan Bellmann
    Stephan Bellmann
  • 5. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Eine Analyse der Projektumfeldstudie von Komus und Projekt Magazin und ihrer Bedeutung für den Projekterfolg


1. Von wann ist die Studie?


Die Datenerhebung der Studie wurde im 4. Quartal 2017 durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Jahr 2018 veröffentlicht und im Rahmen der PM Welt präsentiert.



2. Wer hat die Studie veröffentlicht? (Institutionen & Personen)


Die Studie wurde erstellt von Prof. Dr. Ayelt Komus von der Hochschule Koblenz in Kooperation mit dem Projekt Magazin, einem zentralen Fachmedium im deutschsprachigen Projektmanagement.



3. Was wurde in der Studie gemacht? (Inhalt & Datengrundlage)


Die Studie untersucht das Projektumfeld – also die Bedingungen, unter denen Projekte stattfinden.

Ziel war es zu verstehen, welche Faktoren im Umfeld besonders wichtig sind und wie zufrieden Projektbeteiligte mit diesen Faktoren sind.

Grundlage der Untersuchung ist eine breite Online-Befragung mit über 700 Teilnehmenden aus verschiedenen Branchen. Die Befragung umfasst die Relevanz und Qualität von insgesamt 60 möglichen Erfolgsfaktoren im Projektumfeld, darunter Kultur, Auftraggeberverhalten, Infrastruktur, Rollenverständnis und Methodenunterstützung.


Projektumfeldstudie

4. Welche Methode wurde angewendet – inkl. Bewertung der Methode?


Die Studie basiert auf einer quantitativen Online-Befragung. Teilnehmende bewerteten Erfolgsfaktoren sowohl hinsichtlich ihrer Relevanz als auch ihrer tatsächlichen Ausprägung (Zufriedenheit). Zusätzlich wurden demografische Merkmale wie Rolle (z. B. Projektleiter, PMO, Auftraggeber) und Branchentyp erfasst, um Unterschiede zwischen Gruppen analysieren zu können.


Die Methode ist solide für eine explorative Umfeldanalyse, da sie große Datenmengen und differenzierte Auswertungen ermöglicht. Allerdings handelt es sich um eine Selbstbewertung, die subjektiv geprägt sein kann. Zudem ist die Stichprobe nicht repräsentativ für alle Organisationen, liefert aber dennoch wertvolle, realitätsnahe Einblicke in das Projektumfeld.



5. Was ist das zentrale Ergebnis der Studie?


Das wichtigste Ergebnis lautet:

Kulturelle Faktoren und das Verhalten des Auftraggebers sind entscheidend für den Projekterfolg — und gerade hier bestehen die größten Defizite.


Während Teamqualifikation und Infrastruktur häufig gut bewertet werden, zeigen sich deutliche Lücken zwischen der hohen Relevanz und der geringen Zufriedenheit bei den folgenden Kulturthemen

  • Verbindlichkeit

  • Transparenz

  • Fehlerkultur

  • Qualität der Vorgaben durch Auftraggeber



6. Was ist das Ergebnis im Detail?


Agile Methoden erzielen höhere Projekterfolge

Über 80 % der Befragten bewerten ihren Projekterfolg insgesamt als gut oder sehr gut. Allerdings schneiden agile Teams erneut deutlich besser ab als traditionelle Teams.


Projektumfeldstudie
Grafik aus: Komus 2018: Ökosystem Projekt


Relevanz: Kultur und Auftraggeber sind entscheidend

Die Top‑Erfolgsfaktoren sind laut Relevanzbewertung: Verbindlichkeit, Verlässlichkeit, Engagement, Qualifikation der Projektleitung sowie Qualität der Auftraggebervorgaben.


Projektumfeldstudie
Grafik aus: Komus 2018: Ökosystem Projekt

Stärken: Teamkompetenz und digitale Infrastruktur

Bei der Zufriedenheit werden hingegen vor allem Engagement, Qualifikation des Projektteams und digitale Infrastruktur positiv bewertet.


Größte Schwächen liegen im kulturellen Umfeld

Die größten Lücken zwischen Relevanz und Zufriedenheit liegen bei kulturellen Themen wie mangelnder Verbindlichkeit (-1,34 Differenzpunkte), Entscheidungsfreude, Fehlerkultur und Qualität der Auftraggebervorgaben. Diese Lücken sind die größten Risiken für Projekterfolg.


Projektumfeldstudie
Grafik aus: Komus 2018: Ökosystem Projekt

PMO und Organisation haben unterschiedliche Sichtweisen

PMOs und Nicht‑PMOs unterscheiden sich stark in ihrer Wahrnehmung: PMOs halten PM‑Prozesse und Methodenunterstützung für deutlich relevanter als ihre internen Kunden – während letztere diese Bereiche kritischer bewerten.


Projektumfeldstudie
Grafik aus: Komus 2018: Ökosystem Projekt

Auftraggeber sind kritischer – trotz hoher Ergebnisorientierung

Auftraggeber bewerten viele Umfeldfaktoren, insbesondere die PM‑Unterstützung, schlechter als andere Teilnehmende, obwohl ihnen die Qualität der Projektergebnisse gleichzeitig besonders wichtig ist.


Projektumfeldstudie
Grafik aus: Komus 2018: Ökosystem Projekt


7. Wie bekannt ist die Studie bzw. wie oft wird sie verwendet?


Die Studie zählt zu den bekannteren Untersuchungen im deutschsprachigen Projektmanagement und wird insbesondere von PMOs, Beratungen und Weiterbildungsinstitutionen häufig zitiert.


Sie entstand in Kooperation mit dem Projekt Magazin, was die Reichweite zusätzlich erhöht. Zudem wird sie in Fachvorträgen (z. B. PM Welt) und Publikationen regelmäßig aufgegriffen.



8. Welche Kritik gibt es an der Studie?

Mögliche Kritikpunkte ergeben sich vor allem aus dem Studiendesign:

  • Selbsteinschätzung der Teilnehmenden kann subjektiv verzerrt sein.

  • Die Stichprobe ist nicht repräsentativ, sondern basiert auf freiwilliger Teilnahme.

  • Die Studie untersucht nur Korrelationen, keine Kausalitäten.

  • Kulturthemen werden zwar bewertet, aber nicht tiefergehend qualitativ analysiert, was die Interpretierbarkeit erschwert.


Trotz dieser Einschränkungen liefert die Studie wertvolle Hinweise, welche Faktoren Organisationen priorisieren sollten, um ihr Projektumfeld wirksam zu verbessern.


Projektumfeldstudie

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