Scrum oder Kanban - welche Methode in welchem Kontext?
- 26. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Jan.
Scrum oder Kanban – welcher Ansatz im jeweiligen Projektkontext den größten Mehrwert liefert.
Inhalt
Einordnung
Die agile Methodenauswahl ist für Unternehmen oft eine strategische Entscheidung. Doch wann eignet sich Kanban besonders gut – und in welchen Situationen liefert Scrum bessere Ergebnisse? Drei aktuelle wissenschaftliche Arbeiten (Salkoski et al. 2023, Hossain & Arif 2023, Ahmed et al. 2024/2025) liefern hierzu klare, empirisch fundierte Hinweise. Dieser Artikel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, zeigt die passenden Einsatzkontexte der beiden Frameworks und betont das übergeordnete Studienergebnis: Die Wahl der Methode sollte nicht dogmatisch, sondern klar kontextbezogen erfolgen, da nur so ihre spezifischen Mehrwerte und effektivere Projektergebnisse realisiert werden können.
📝 Artikel: "Was ist Kanban?"
📝 Artikel: "Wann verwende ich Kanban?"
🎤 Interview: "Scrum oder Kanban - Studienanalyse und Praxiseinordnung mit Felix Huschka" - Felix Huschka
🎤 Interview: "Kanban ist mehr als ein Board" - Robin Gamperl
Kontexte, in denen Kanban besonders geeignet ist
1. Hohe Dynamik und häufig wechselnde Prioritäten
Die Studien von Salkoski et al. (2023) und Hossain & Arif (2023) bestätigen: Kanban bietet besondere Vorteile in Umgebungen, in denen Anforderungen oft kurzfristig ändern. Durch den Verzicht auf feste Sprints können Aufgaben jederzeit umpriorisiert oder ergänzt werden. Dadurch eignet sich Kanban für Teams, die mit vielen unvorhersehbaren Anfragen konfrontiert sind – etwa im Support, in der Wartung oder in produktnahen Teams, die auf externe Impulse reagieren müssen.
2. Kontinuierliche Arbeit und Flow-Orientierung
Alle drei Studien betonen, dass Kanban in Umgebungen mit kontinuierlich einlaufenden Aufgaben besonders effizient ist. Die Arbeiten zeigen, dass Kanban den Durchsatz erhöht, Wartezeiten reduziert und zu kontrollierter Work-in-Progress-Begrenzung führt. Typische Beispiele finden sich in IT-Support, Operations, DevOps oder internen Service-Teams, wo ein stetiger Aufgabenfluss vorherrscht.
3. Reife, selbstorganisierte Teams
Die Mapping-Analyse von Hossain & Arif (2023) hebt hervor, dass Kanban besonders gut funktioniert, wenn Teams bereits über ein hohes Maß an Selbstorganisation verfügen. Da Kanban ohne formale Rollen, Meetings oder Rituale auskommt, profitieren vor allem erfahrene Entwicklerteams und eingespielte Produktteams, die wenig strukturelle Vorgaben benötigen.
4. Aufgaben mit hoher Variabilität in Größe und Umfang
Die Studien von Salkoski et al. (2023) und Ahmed et al. (2024/2025) zeigen, dass Kanban bei stark schwankenden Storygrößen und unvorhersehbarem Aufwand im Vorteil ist. Ohne Sprint Planning entsteht weniger Overhead, und Teams können Aufgaben flexibel durch den Workflow bewegen. Besonders geeignet ist Kanban daher für Bugfixing, Hotfixes, ad-hoc Aufgaben und sehr kleinteilige Tätigkeiten.

Kontexte, in denen Scrum besonders geeignet ist
1. Planbare und stabile Anforderungen
Die Studien von Salkoski et al. (2023) und Hossain & Arif (2023) zeigen, dass Scrum vor allem dann effektiv ist, wenn Anforderungen über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen stabil bleiben. Die Struktur der Sprints sorgt für bessere Vorhersehbarkeit und klare taktische Ziele – ideal für Teams, die auf definierte Feature-Sets hinarbeiten.
2. Projekte mit klaren Meilensteinen und Roadmap
Hossain & Arif (2023) betonen, dass Scrum ein klar strukturiertes Vorgehen unterstützt: regelmäßige Lieferzyklen, Reviews und klar definierte Ziele. Damit ist Scrum besonders geeignet für die Produktentwicklung, die Umsetzung neuer Software-Features oder Inkremente, die entlang einer Roadmap geplant werden.
3. Teams mit Bedarf an definierten Rollen und Prozessen
Die Mapping-Studie weist darauf hin, dass Scrum vor allem neuen oder weniger reifen Teams Orientierung bietet. Durch Rollen wie Product Owner und Scrum Master sowie feste Events schafft Scrum Stabilität, Transparenz und klare Verantwortlichkeiten – ein Vorteil insbesondere in Organisationen, die sich noch im agilen Wandel befinden.
4. Hoher Bedarf an Stakeholder-Einbindung
Die Studien zeigen, dass Scrum in Umgebungen mit vielen internen oder externen Stakeholdern besonders hilfreich ist. Der regelmäßige Austausch im Sprint Review fördert kontinuierliches Feedback und ermöglicht eine engere Abstimmung, etwa in kundenorientierten Projekten oder bei komplexen Produktlandschaften.
5. Qualitätsfokus und Governance-Anforderungen
Hossain & Arif (2023) zeigen zudem, dass Scrum durch die Definition of Done und zyklische Inspect-&-Adapt-Mechanismen einen stabilen Qualitäts- und Governance-Rahmen bietet. Dies macht Scrum besonders geeignet für Softwareprodukte und regulierte Branchen, in denen Dokumentation, Qualitätssicherung und feste Prüfpunkte notwendig sind.

Fazit
Die drei Studien zeigen deutlich: Weder Scrum noch Kanban ist grundsätzlich überlegen – vielmehr hängt ihre Wirksamkeit stark vom Einsatzkontext ab.
Kanban punktet in dynamischen, variablen und kontinuierlichen Arbeitsumgebungen, in denen Flexibilität entscheidend ist.
Scrum entfaltet seine Stärken dort, wo Planbarkeit, Rollenstrukturen, regelmäßige Stakeholder-Einbindung und ein klarer Qualitätsrahmen benötigt werden.
Unternehmen sollten die Wahl der Methode daher nicht dogmatisch treffen, sondern bewusst auf den jeweiligen Projekt- und Teamkontext abstimmen. Die Studien liefern dafür eine wertvolle, empirisch fundierte Entscheidungsgrundlage.





Kommentare