Lastenheft vs. Pflichtenheft
- Stephan Bellmann
- vor 40 Minuten
- 2 Min. Lesezeit
Ein praktischer Vergleich von Lastenheft und Pflichtenheft: Dieser Artikel erklärt die entscheidenden Unterschiede für eine reibungslose Projektplanung.
Inhalt
Einordnung
Im Projektmanagement fallen immer wieder zwei Begriffe: Lastenheft und Pflichtenheft. Obwohl sie eng miteinander verknüpft sind, erfüllen sie unterschiedliche Zwecke und werden von verschiedenen Parteien erstellt.
Dieser Artikel klärt die Definitionen, Unterschiede und die Bedeutung dieser Dokumente für den Projekterfolg.

Das Lastenheft - Was wird benötigt?
Das Lastenheft (englisch: User Requirements Specification oder Business Requirements Document) bildet für viele Projekte die Grundlage, insbesondere im klassischen Projektmanagement. Es wird in der Regel vom Auftraggeber (Kunde) erstellt.
Definition
Das Lastenheft beschreibt die Gesamtheit der Anforderungen des Auftraggebers an die Lieferungen und Leistungen eines Auftragnehmers. Nicht zu verwechseln mit den viel detaillierteren Anforderungen aus der danach durchzuführenen Anforderungsanalyse. Im Lastenheft steht das „Was“ und das „Wofür“ im Vordergrund.
Kerninhalte eines Lastenhefts
Ausgangslage und Zielsetzung: Warum wird das Projekt durchgeführt? Welches Problem soll gelöst werden?
Einsatzbereich: Wer nutzt -as Produkt später? In welcher Umgebung?
Funktionale Anforderungen: Welche konkreten Funktionen muss das System beherrschen? (z. B. "Das System muss Rechnungen als PDF exportieren können.")
Nicht-funktionale Anforderungen: Welche Qualitätsmerkmale sind wichtig? (z. B. Performance, Sicherheit, Design-Vorgaben).
Rahmenbedingungen: Termine, Budgetobergrenzen und rechtliche Vorgaben.
📝 Studie: Analyse der NaPiRE-Studie
Das Pflichtenheft - Wie wird es umgesetzt?
Das Pflichtenheft (englisch: Functional Specification oder Technical Specification) ist die Antwort auf das Lastenheft. Es wird vom Auftragnehmer (Dienstleister/Entwickler) erarbeitet und ist größtenteils oft das dokumentierte Ergebnis der Anforderungsanalyse.
Definition
Im Pflichtenheft beschreibt der Auftragnehmer, wie er die Anforderungen des Lastenhefts konkret umsetzen will. Es dient als detaillierter Realisierungsplan und ist oft Teil des rechtlich bindenden Vertrags.
Kerninhalte eines Pflichtenhefts
Technische Lösung: Welche Technologien, Funktionen, Architekturen oder Datenbanken werden verwendet?
Detaillierte Systemfunktionen: Genaue Beschreibung der Abläufe und Schnittstellen.
Projektplan/Roadmap: Meilensteine, Zeitplan und Ressourcenplanung.
Abnahmekriterien: Woran wird gemessen, ob das Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde?
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
Merkmal | Lastenheft | Pflichtenheft |
Wer erstellt es? | Auftraggeber (Kunde) | Auftragnehmer (Dienstleister) |
Zentrale Frage | Was soll gemacht werden? | Wie wird es gemacht? |
Fokus | Anforderungen & Wünsche | Technische Lösung & Umsetzung |
Zeitpunkt | Vor der Auftragsvergabe (Ausschreibung) | Nach der Auftragsvergabe / Vor der Realisierung |
Rechtlicher Status | Grundlage für Angebote | Teil des Vertrages / Abnahmegrundlage |
Warum sind diese Dokumente so wichtig?
Vermeidung von Missverständnissen: Ein präzises Lastenheft verhindert, dass der Dienstleister am Kundenwunsch vorbeientwickelt.
Kalkulationsgrundlage: Erst durch das Pflichtenheft kann ein Auftragnehmer den Aufwand und damit den Preis berechnen.
Rechtssicherheit: Bei Streitigkeiten dienen beide Dokumente als Referenz, um zu prüfen, ob die vereinbarte Leistung erbracht wurde.
Struktur: Sie geben dem Projektteam einen klaren roten Faden vor.

Fazit
Man kann es sich wie beim Hausbau vorstellen: Das Lastenheft ist die Liste des Bauherren (3 Schlafzimmer, moderne Küche, barrierefrei). Das Pflichtenheft ist der detaillierte Bauplan des Architekten, der festlegt, welche Steine verwendet werden, wo die Leitungen liegen und wann das Dach gedeckt wird.
Nur wenn beide Dokumente sorgfältig erstellt und abgestimmt sind, kann ein Projekt effizient und erfolgreich abgeschlossen werden.




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