Scrum vs. Manifest - wie agil ist Scrum?
- Stephan Bellmann
- 20. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Von Werten zu Werkzeugen: Wie Scrum das Agile Manifest konkretisiert
Inhalt
📝Artikel: Was ist Scrum?
Übersicht
Scrum und das Agile Manifest von 2001 haben viele Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Ausprägung. Während das Agile Manifest in erster Linie einen Werte- und Prinzipienrahmen darstellt, der Orientierung bietet, versteht sich Scrum als konkretes Rahmenwerk zur praktischen Umsetzung dieser Ideen. Das Manifest formuliert bewusst allgemein, dass Zusammenarbeit, Anpassungsfähigkeit und kontinuierliches Lernen im Vordergrund stehen sollen, ohne vorzugeben, wie diese Ziele konkret zu erreichen sind. Scrum hingegen liefert einen klar definierten Rahmen mit festen Rollen, Ereignissen und Artefakten, die Teams dabei unterstützen sollen, genau diese Prinzipien im Arbeitsalltag umzusetzen.
Aus diesem Grund lassen sich Scrum und das Agile Manifest nicht unmittelbar miteinander vergleichen, da sie unterschiedliche Ebenen adressieren. Dennoch lohnt sich ein genauer Blick darauf, inwieweit sich die im Manifest formulierte Agilität innerhalb von Scrum wiederfindet.
Scrum wirkt auf den ersten Blick strukturierter und teilweise weniger flexibel als das Agile Manifest selbst. Es bietet eine konkrete methodische Hilfestellung, birgt in der Praxis jedoch die Gefahr, mechanisch angewendet zu werden – etwa dann, wenn Teams zwar alle vorgesehenen Meetings durchführen, die dahinterliegenden Werte wie Transparenz, Vertrauen oder echte Selbstorganisation jedoch nicht umsetzen. Während das Agile Manifest in seiner Offenheit vor allem eine Haltung von Agilität fordert, zeigt Scrum einen möglichen Weg auf, wie diese Haltung in Projekten konkret umgesetzt werden kann. In diesem Sinne lässt sich Scrum als eine Konkretisierung des Manifests verstehen, allerdings in einer deutlich stärker reglementierten Form.

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Beispiele
Im Folgenden sollen Beispiele anhand der Werte aus dem agilen Manifest im direkten vergleich aufgezeigt werden, die die jeweiligen Abweichungen innerhalb der Scrum-Methode darstellen.
Individuen und Interaktionen über Prozesse und Werkzeuge
Manifest: Teams entscheiden selbst, wie sie am besten zusammenarbeiten. Der direkte Austausch und die zwischenmenschliche Interaktion stehen im Vordergrund.
Scrum: Scrum schreibt feste Ereignisse wie das Daily Scrum oder das Sprint Review vor, die den Austausch gezielt sicherstellen sollen. Dadurch entsteht eine klare Struktur, die Kommunikation fördert, jedoch gleichzeitig den Gestaltungsspielraum der Teams einschränkt. → Mehr Struktur, weniger Freiheit.
Reagieren auf Veränderung über das Befolgen eines Plans
Manifest: Der Fokus liegt darauf, flexibel zu bleiben und Pläne jederzeit an neue Erkenntnisse oder Rahmenbedingungen anzupassen.
Scrum: Scrum arbeitet mit festen Sprints, in denen ein definiertes Sprint-Ziel verfolgt wird. Innerhalb eines Sprints bleibt der Plan weitgehend stabil, um Fokus und Verlässlichkeit zu gewährleisten. Anpassungen erfolgen primär zwischen den Sprints. → Strukturierte Flexibilität.
Kundenzusammenarbeit über Vertragsverhandlungen
Manifest: Der direkte und kontinuierliche Dialog mit dem Kunden hat Vorrang vor starrer Vertragstreue.
Scrum: Die Rolle des Product Owners stellt den regelmäßigen Austausch mit Stakeholdern sicher. Die Zusammenarbeit mit dem Kunden erfolgt jedoch meist kanalisiert, etwa über Reviews oder über den Product Owner, und nicht in vollständiger Offenheit. → Kanalisierte Zusammenarbeit.





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