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Warum Anforderungsanalyse - Übersicht

  • Autorenbild: Stephan Bellmann
    Stephan Bellmann
  • vor 13 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Die Anforderungsanalyse schafft Klarheit – und entscheidet oft früher als gedacht über den Projekterfolg




Inhalt


Anforderungsanalyse

Einordnung


Die Anforderungsanalyse zählt zu den zentralen Prozessen in der frühen Phase eines Projektes. Sie stellt sicher, dass ein Projekt nicht nur gestartet, sondern zielgerichtet geplant und erfolgreich umgesetzt werden kann.


Unter einer Anforderungsanalyse versteht man einen systematischen Prozess, in dem die Bedürfnisse, Erwartungen und Ziele des Auftraggebers – häufig im Lastenheft dokumentiert – sowie die Anforderungen aller relevanten Stakeholder erfasst, analysiert und strukturiert werden. Darauf aufbauend werden detaillierte und funktionale Anforderungen für die Projektumsetzung abgeleitet.


Ziel ist es, ein konsistentes Anforderungssystem zu entwickeln, das die funktionalen Eigenschaften der späteren Lösung beschreibt und sicherstellt, dass die Erwartungen des Auftraggebers bestmöglich erfüllt werden.


Im klassischen Projektmanagement bildet die Anforderungsanalyse einen zentralen Prozess, um die Brücke zwischen den übergeordneten Business-Anforderungen des Auftraggebers und den konkreten System-Anforderungen im Projekt zu schlagen. Sie schafft damit eine wesentliche Grundlage für die Planung, Steuerung und erfolgreiche Durchführung des Projekts.


Achtung: In den System-Anforderungen geht es nicht um konkrete Umsetzungsschritte oder den detaillierten Lösungsweg. Stattdessen beschreiben sie die funktionalen Anforderungen der jeweiligen Lösung – also welche Funktionen das System erfüllen muss, um die Business-Anforderungen abzudecken.



Fehlt dieses Verständnis, entstehen häufig kommunikative Missverständnisse oder unklare Formulierungen der Anforderungen (siehe folgende Studie), die nicht selten zu kostspieligen Anpassungen im späteren Projektverlauf führen. Eine fundierte Anforderungsanalyse hingegen fördert Transparenz innerhalb der Organisationskultur, reduziert Unsicherheiten und schafft eine belastbare Entscheidungsgrundlage für alle weiteren Projektphasen.




Projektkontext


Typischerweise findet die Anforderungsanalyse in der Projektentwurfsphase statt. Sie fungiert als verbindendes Element zwischen Projektidee und konkreter Planung.


Das Ergebnis ist eine abgestimmte und möglichst vollständige Sammlung klar definierter Anforderungen. Diese dient als inhaltliche Grundlage für zentrale Projektmanagement-Artefakte wie Projektstrukturplan, Termin- und Ressourcenplanung sowie das Qualitätsmanagement.


Damit übernimmt die Anforderungsanalyse eine zentrale Übersetzungsfunktion: Sie überführt eine oft noch abstrakte Projektidee in eine strukturierte, planbare und überprüfbare Grundlage.


Anforderungsanalyse

Ziele vs. Anforderungen – ein entscheidender Unterschied


In der Praxis werden Ziele und Anforderungen häufig gleichgesetzt. Tatsächlich erfüllen beide jedoch unterschiedliche Funktionen im Projektmanagement.


Ziele beschreiben den gewünschten Zustand oder Nutzen, der durch den erzeugten Mehrwert des Projektes erreicht werden soll. Sie beantworten die Frage:

👉 Warum wird das Projekt durchgeführt?


Business-Anforderungen beschreiben die übergeordnete und benutzerorientierte und damit die Gesamtheit der fachlichen Bedüfnisse. Damit beantworten sie die Frage:

👉 Was soll im Projekt umgesetzt werden und wozu? 


System-Anforderungen stellen die lösungsorientierte Antwort der Business-Anforderungen dar. Sie definieren die Eigenschaften, Funktionen und Qualitätsmerkmale, die erfüllt sein müssen, damit die Ziele erreicht werden können. Damit beantworten sie die Frage:

👉 Wie sollen die Business-Anforderungen gelöst werden? 


Beispiel:

  • Ziel: Fertigstellung eines Plus-Energie-Wohngebäudes bis 2025.

  • Business-Anforderung: Beheizung des Objekts ohne Verwendung fossiler Brennstoffe.

  • System-Anforderung: Installation einer Erdwärmepumpe in Verbindung mit Photovoltaik-Modulen.


Erst das Zusammenspiel aus klar formulierten Zielen und präzise beschriebenen Anforderungen ermöglicht eine belastbare Projektplanung. Während Ziele Orientierung geben, schaffen Anforderungen operative Klarheit – und machen Projekterfolg messbar.





Anforderungen strukturieren


Anforderungen können aus unterschiedlichen Quellen stammen und sich sowohl auf das zu entwickelnde System als auch auf den Übergang beziehungsweise die Einführung des Projektergebnisses beziehen. Es gibt verschiedene Klassifizierungen. Die Folgende ist eine mögliche aber folgelogische Klassifizierung.


  • Business-Anforderungen – Leiten sich primär aus strategischen Zielen bzw. Unternehmensvisionen ab.

  • Stakeholder-Anforderungen – Resultieren aus Bedürfnissen relevanter Interessengruppen (Kunden, Nutzer, Management, Behörden)

  • Regulatorische Anforderungen – gesetzliche oder normative Rahmenbedingungen

  • System-Anforderungen – beinhalten funktionale Anforderungen, Qualitätsanforderungen und technische Anforderungen an das System

  • Übergangs-Anforderungen – gesetzliche oder normative Rahmenbedingungen

  • beispielsweise Schnittstellen, Systemlandschaften oder Architekturvorgaben


Eine strukturierte Einordnung der Anforderungen stellt sicher, dass diese nicht implizit vorausgesetzt, sondern bewusst, transparent und damit explizit erhoben sowie bewertet werden.




Wo sind Anforderungen im Projekt verortet?


Wie bereits erwähnt, bilden Anforderungen das zentrale Bindeglied zwischen den fachlichen Erwartungen des Auftraggebers und der operativen Umsetzung im Projekt. Damit sind sie ein wesentlicher Bestandteil einer logischen Verkettung innerhalb von Projektentwurf und Planung und schaffen einen zentralen Wirkungszusammenhang – von den Visionen und Zielen bis hin zu den Qualitätskriterien.


Vision → Ziele → Anforderungen → Arbeitspakete → Qualitätskriterien. 


Sie reduziert Interpretationsspielräume, stärkt die Zusammenarbeit der Projektbeteiligten und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Projektergebnis den angestrebten Nutzen tatsächlich erfüllt.


Konkret kann das dann wie Folgt aussehen:

  • Lastenheft (Auftraggeber): Beschreibt die Erwartungen, den Nutzen und das zu lösende Problem – also das übergeordnete „Was und wofür?"

  • Anforderungsanalyse: Präzisiert, strukturiert und prüft diese Erwartungen auf Konsistenz und Machbarkeit.

  • Pflichtenheft (Auftragnehmer): Dokumentiert die konsolidierten Anforderungen und beschreibt, wie diese realisiert werden sollen. Häufig besitzt es bereits einen verbindlichen bzw. quasi-vertraglichen Charakter.

  • Projektstrukturplan (PSP): Überführt die Anforderungen in konkrete Arbeitspakete und beantwortet die Frage: Wer macht was?

  • Qualitätsmanagement: Nutzt die Anforderungen als Referenz für Prüfkriterien, Tests und Abnahmen.


Damit fungieren Anforderungen als zentrale Steuerungsgröße für Planung, Umsetzung und Qualitätssicherung.


In agilen Projektumfeldern existiert meist kein klassisches Pflichtenheft. Stattdessen werden Anforderungen im Product Backlog dokumentiert und kontinuierlich weiterentwickelt. Trotz unterschiedlicher Dokumentationsformen bleibt die Zielsetzung identisch: ein klares Verständnis der zu liefernden Ergebnisse sicherzustellen.




Warum ist die Anforderungsanalyse so wichtig?


Die Qualität der Anforderungsanalyse hat einen direkten Einfluss auf den Projekterfolg. Praxisleitfäden und Studien zeigen, dass unklare oder unvollständige Anforderungen zu häufigen Ursachen für Projektprobleme zählen.


Eine professionelle Analyse schafft daher einen messbaren Mehrwert:


Strukturiertes Verständnis schaffen

Alle Stakeholder wissen frühzeitig, welches Ziel verfolgt wird und welche Leistungen dafür notwendig sind.


Vollständigkeit sicherstellen

Anforderungen werden systematisch und transparent erhoben, bewertet und priorisiert – anstatt implizit vorausgesetzt.


Verbindliche Grundlage etablieren

Die dokumentierten Anforderungen dienen als Referenz für Planung, Design, Umsetzung und Tests.


Risiken reduzieren

Missverständnisse, Doppelarbeit und späte Änderungen werden deutlich minimiert bzw. besser abgefangen.


Realistische Planung ermöglichen

Erst ein klares Anforderungsbild erlaubt belastbare Aufwandsschätzungen sowie Termin- und Ressourcenplanungen.


Qualität absichern

Anforderungen können gleichzeitig als Abnahmekriterien dienen und unterstützen damit ein strukturiertes Qualitätsmanagement.


Anforderungsanalyse

Fazit


Die Anforderungsanalyse ist weit mehr als ein formaler Projektschritt. Sie legt den strukturellen und inhaltlichen Grundstein für Planung, Steuerung und Umsetzung eines Projektes. Je komplexer ein Vorhaben ist, desto größer wird ihre Bedeutung.


Investitionen in eine gründliche Analyse zahlen sich in der Regel mehrfach aus – durch stabilere Planungen, geringere Risiken, bessere Entscheidungsgrundlagen und eine höhere Ergebnisqualität.


Kurz gesagt: Projekte scheitern selten an der Umsetzung, sondern häufig an unklaren Anforderungen. Wer hier sorgfältig arbeitet, erhöht die Wahrscheinlichkeit für nachhaltigen Projekterfolg erheblich.


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