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Einordnung POM

 

Organisationskultur ist kein isolierter Rahmenfaktor, sondern ein zentrales Wirkfeld innerhalb des Project Operation Model (POM). Sie beeinflusst alle Phasen eines Projekts – von der Projektentscheidung über Entwurf und Planung bis hin zur Umsetzung und zum Abschluss. Im POM wird Organisationskultur daher nicht als eigene Methode verstanden, sondern als querschnittliches Element, das die Wirksamkeit aller eingesetzten Methoden maßgeblich prägt.

Gleichzeitig ist Kultur im Projektkontext besonders sensibel: Projekte sind temporär, interdisziplinär und häufig von Unsicherheit geprägt. Dadurch treffen unterschiedliche Subkulturen (z. B. IT, Engineering, Vertrieb, Governance/Compliance) unmittelbar aufeinander – und kulturelle Spannungen werden schneller sichtbar als in Linienorganisationen.

Siehe Artikel „Gute vs. schlechte Organisationskultur“.

Warum Organisationskultur?

 

Zahlreiche Studien und Praxiserfahrungen zeigen, dass Organisationskultur einen größeren Einfluss auf Projekterfolg haben kann als die konkret eingesetzte Projektmanagement-Methode. Projekte scheitern selten an Tools oder Templates, sondern häufig an kulturellen Rahmenbedingungen: fehlende Transparenz, Silodenken, politisierte Entscheidungen oder geringe Fehlerakzeptanz.

Auch Forschung unterstreicht, dass Kultur nicht nur „soft“ ist: Kotter & Heskett zeigen in Langzeitbeobachtungen, dass adaptive Kulturen messbar mit langfristigem Erfolg zusammenhängen.

Vgl. Analyse „Corporate Culture and Performance“ (Kotter & Heskett).

Und empirische PM-Forschung (z. B. im Finanzsektor) weist darauf hin, dass Projektmanager Organisationskultur als zentralen Faktor für die Methodenwahl bewerten – während Unternehmen Methodiken in der Praxis dennoch oft standardisiert und kulturunsensibel ausrollen (Mismatch zwischen Kultur und Methode).

Siehe Studie „Organizational culture and project management methodology“ (Piwowar-Sulej, 2021).

Was ist Organisationskultur im Projekt?

 

Organisationskultur zeigt sich im Projekt weniger in Leitbildern als in gelebten Mustern:

  • Wie offen dürfen Risiken angesprochen werden?

  • Wie werden Fehler behandelt?

  • Wie klar sind Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege?

  • Wie hoch ist Vertrauen zwischen Auftraggeber, Projektleitung und Team?

 

Angelehnt an Schein lässt sich Kultur dabei als Zusammenspiel aus sichtbaren Artefakten, formulierten Werten und tiefen Grundannahmen verstehen. Gerade diese Grundannahmen bestimmen Verhalten oft unbewusst – und erklären, warum Kulturveränderung meist nicht durch neue Prozesse allein entsteht.

→ Grundlage: Analyse „Organizational Culture and Leadership“ (Edgar H. Schein).

Merkmale förderlicher und hinderlicher Projektkultur

 

Eine gute Kultur fördert Projekterfolg typischerweise durch:

  • psychologische Sicherheit (Risiken/Probleme früh ansprechbar)

  • klare Verantwortlichkeiten & transparente Entscheidungen

  • Lern- und Fehlerkultur (Ursachen statt Schuldige)

  • vertrauensvolle Zusammenarbeit (sachliche Eskalationen, Zusagen zählen)

  • Methodik als Werkzeug, nicht als Dogma (klassisch/agil/hybrid kontextsensibel)

  • offenen Informationsfluss (weniger Filter, weniger Silos)

  • Anpassungsfähigkeit (kontinuierliche Reflexion und pragmatische Kurskorrekturen)

 

Eine schlechte Kultur zeigt sich häufig durch:

  • Angst- und Schuldzuweisung

  • Scheintransparenz

  • informelle Macht statt klarer Governance

  • Methoden-Fetischismus

  • tabuisierte Abweichungen

  • geringes Stakeholder-Commitment

Konkrete Gegenüberstellung im Artikel „Gute vs. schlechte Organisationskultur“.

Methodische Expertise

 

Für den professionellen Umgang mit Organisationskultur braucht es weniger klassische Methodenkompetenz als vielmehr ein Verständnis für soziale Systeme: Analysefähigkeit, Beobachtungsgabe und Reflexionskompetenz, um kulturelle Muster, unausgesprochene Regeln und implizite Erwartungen zu erkennen. Ergänzend sind Moderations- und Kommunikationsfähigkeit entscheidend, um Perspektiven sichtbar zu machen, Spannungen konstruktiv zu bearbeiten und gemeinsame Normen zu etablieren.

Praktisch bedeutet das auch: Werte bleiben abstrakt, solange sie nicht in Regeln, Rituale und Normen übersetzt werden.

Vertiefung im Artikel „Was definiert eine Organisationskultur?“.

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Wechselwirkung zwischen Methoden und Organisationskultur

 

Methoden wirken nie kulturneutral. Sie entfalten Wirkung nur im kulturellen Kontext. Eine offene, transparente Kultur unterstützt z. B. realistische Planung, ehrliche Risikologik und Feedbackfähigkeit. Umgekehrt wirken Methoden zurück auf Kultur: Werden sie nachvollziehbar, konsistent und partizipativ eingesetzt, stärken sie Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und Lernfähigkeit.

Wichtig ist jedoch: Methodenwahl folgt in Organisationen oft nicht dem kulturellen Fit, sondern Standards, PMO-Vorgaben, Historie oder regulatorischen Anforderungen. Genau daraus entstehen Reibungsverluste.

Empirischer Nachweis im Artikel zur Studie von Piwowar-Sulej (2021).

Klassifikation als Orientierung

 

Kultur lässt sich in Modellen (z. B. CVF, Deal & Kennedy, Hofstede, Schein) systematisieren, um Muster sichtbar und besprechbar zu machen – gerade in Projekten, wo Subkulturen kollidieren. Gleichzeitig bleiben solche Modelle Vereinfachungen: hilfreich als Landkarte, riskant als Etikett.

Gerade in größeren Organisationen ist es sinnvoll, Subkulturen mitzudenken: Produktion, F&E, Vertrieb, IT-Betrieb, Compliance etc. folgen oft unterschiedlichen Logiken (Tempo vs. Stabilität, Risiko vs. Sicherheit).

 

Übersicht und Einordnung im Artikel „Kann man Organisationskulturen klassifizieren?“.

Potenzielle Fehler

 

Typische Fehler entstehen, wenn Organisationskultur ignoriert oder als unveränderliche Randbedingung akzeptiert wird: Methoden werden unkritisch übertragen, informelle Machtstrukturen übersehen oder Konflikte verdrängt. Auch der Versuch, kulturelle Probleme ausschließlich mit neuen Tools oder Prozessen zu lösen, führt häufig zu Widerständen statt zu nachhaltiger Verbesserung.

Typische Fehlerbilder im Artikel „Gute vs. schlechte Organisationskultur“.

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