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Scrum & das neue Expansion Pack

  • vor 3 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit
Interview über die Anpassungsfähigkeit von Scrum, praktische Erfahrungen aus der agilen Arbeit sowie die Einordnung des Scrum Guide Expansion Pack (SGEP) im organisationalen Kontext.



Inhalt




Interview



MEIN GAST:


🧑‍💼 Alisa Stolze 🔗 LinkedIn

👔 Trainierin 🔗 Website | Buchatorin 🔗 Website | Podcasterin🔗 Website 



Zusammenfassung



Schnellfragen (Einstieg)


Das Interview startet mit einem lockeren Warm-up und kleinen Entweder-oder-Fragen. Alisa sagt, sie ist im Auto lieber Fahrerin als Beifahrerin.

Auf die Frage „Agil = Scrum oder Kanban?“ antwortet sie bewusst nicht mit einer Methode, sondern mit dem Hinweis, dass es davon abhängt, wie gut Feedback-Schleifen wirklich genutzt und eingebaut werden.


Bei „Jogginghose oder Jeans?“ wählt sie Jeans.


Und bei der Frage (ein Jahr ohne Scrum-Community vs. ein Jahr täglich „Happy“ hören) entscheidet sie sich für „Happy“ – und behält die Community, auch weil Familie/Umfeld dort stark vernetzt sind.




Alisas Musical-Karriere (und der Weg zur Audiodeskription)


Alisa erzählt, dass sie aus einer Unternehmerfamilie kommt, aber stark künstlerisch geprägt wurde (u. a. durch ihre opernsingende Oma). Früh standen Tanz, Gesang und Schauspiel im Mittelpunkt. Sie absolvierte eine Musical-Ausbildung (mit Umwegen, u. a. durch einen Fußbruch), arbeitete anschließend als Musicaldarstellerin auf der AIDA in Eigenproduktionen, bei denen Musical- und Pop-Songs zu Shows zusammengesetzt wurden – angepasst an die speziellen Bühnenbedingungen auf dem Schiff.


Ein zentraler Wendepunkt war dann der Einstieg in die Live-Audiodeskription: über eine Agentur kam sie in Produktionen, bei denen für blinde Menschen Live-Bildbeschreibungen erstellt wurden (z. B. bei TV-Formaten und Events). Das empfand sie als besonders sinnstiftend, weil es „gesellschaftliche Teilhabe“ ermöglicht – und dieser „Mehrwert“ zog sie stärker an als die reine Bühne.



Über Jeff Sutherland (Persönlichkeitsbild und Einfluss)


Alisa schildert Jeff Sutherland als sehr inspirierend, gleichzeitig extrem bescheiden, neugierig und nahbar – obwohl er für viele ein „Star“ der Szene ist. Sie beschreibt seinen Hintergrund (Militär/Vietnam, später akademische Laufbahn), seine disziplinierte, strukturierte Art und dass er auch im hohen Alter sehr aktiv bleibt – inklusive starker Beschäftigung mit KI.


Besonders betont sie seine Fähigkeit, außergewöhnlich gut zuzuhören, und dass Gespräche mit ihm oft neue Perspektiven öffnen. Auf die Frage, ob Jeff seinen Einfluss wirklich selbst einschätzen kann, sagt sie: vermutlich nur begrenzt – er hat sicher eine Ahnung, aber von außen wirkt das Ausmaß noch größer.



Alisas Podcast


Alisa hatte (mit Nadja Böhlmann) den Podcast „Zusammen mehr Elefanten“. Er ist inzwischen nach zwei Staffeln pausiert/eingestellt, bleibt aber weiterhin verfügbar. Der Grund war pragmatisch: sehr viele parallele Themen und Projekte (u. a. das frisch erschienene Buch), sodass sie den Aufwand nicht mehr sinnvoll stemmen konnten. Inhaltlich verband der Podcast u. a. systemisches Coaching, Lean und Agile.



Anpassungsfähigkeit von Scrum (und typische Fehlinterpretationen)


Im Scrum-Teil macht Alisa deutlich: Scrum wird häufig enger und „vorschriftiger“ wahrgenommen, als es gemeint ist. Ihr Hauptthema ist weniger „Darf man Scrum anpassen?“, sondern: Viele Teams setzen die Elemente zwar formal um, erfüllen aber den Zweck dahinter nicht.


Das Daily wird dann zum Statusreport, Reviews werden zu Reporting-Terminen – und am Ende heißt es: „Scrum ist blöd“, obwohl eigentlich nur die intendierte Wirkung (Transparenz, Synchronisation, Lernen) nicht erreicht wird. Sie nutzt die Analogie eines Rezepts: Scrum-Elemente sind wie ein über Jahre stabilisierter Sweet Spot, bei dem das Zusammenspiel zählt. Wenn man zentrale Teile weglässt, ist es nicht mehr Scrum – nicht aus Dogma, sondern weil das System dann seine Wirkung nicht entfalten kann.


Als Gegenmaßnahme empfiehlt sie, Scrum nicht als Big-Bang auszurollen, sondern mit einem Referenzteam zu starten, Scrum zunächst „sauber“ zu üben und dann schrittweise zu verbreitern – immer entlang der Frage: Wofür ist dieses Element da? 


Ein zentraler Gedanke ist außerdem: Scrum ist nicht „Feenstaub“, der sofort alles besser macht, sondern eine Feedback-Maschine, die Probleme sichtbar macht. Jeffs Satz „Scrum was designed to fix reality“ bringt das für sie auf den Punkt: Scrum zeigt, wo die Realität hakt – und das irritiert Organisationen manchmal, weil sie plötzlich mehr „Probleme“ sehen, die vorher nur verborgen waren.




Das Scrum Guide Expansion Pack (Nutzen und Kontroversen)


Alisa beschreibt, dass das Expansion Pack aus der Community heraus angestoßen wurde (u. a. von John Coleman und Ralf Jocham) und zunächst auch Skepsis erzeugte, weil es nicht wie der Scrum Guide „klassisch“ von Jeff und Ken allein kam. Gleichzeitig fand sie die Initiative sehr hilfreich, weil der Scrum Guide bewusst minimalistisch ist und dadurch häufig Missverständnisse entstehen – und es lange kein „offizielles“ Zusatzdokument gab, das typische Fallstricke erklärt.


Das Expansion Pack liefert aus ihrer Sicht genau dieses Hintergrundwissen: Einordnung, Herkunft von Prinzipien, Verknüpfungen zu Lean, systemischem Denken und viele vertiefende Themen. Es gibt inzwischen eine große Sammlung an Packs (z. B. KI, Komplexität, Multiteam/Scaling, Operating Models, Testing, Psychological Safety etc.).


Ihr Rat ist jedoch klar: Erst den Scrum Guide nutzen, nicht überfordern – und das Expansion Pack als Vertiefung, wenn man die Hintergründe oder spezielle Themen braucht. Visualisierungen/„Quick Summaries“ sieht sie eher noch begrenzt; aktuell heißt es oft: lesen oder bei Autor:innen/Trainer:innen nachfragen.



Zum Buch „Teamleitung konkret“ (Strukturen, Gewohnheiten und Kultur)


Beim Buch geht es aus Alisas Sicht um einen zentralen Hebel für Kulturentwicklung: Kultur ändert sich nicht durch eine einmal eingeführte Methode, sondern durch wiederholte, gelebte Strukturen und Gewohnheiten im Alltag.


Sie beschreibt, dass in vielen agilen Kontexten zwar viel über psychologische Sicherheit, Workshops und Tools gesprochen wird – aber wenn sich die tägliche Zusammenarbeit strukturell nicht ändert, fällt das System schnell in alte Muster zurück. „Teamleitung konkret“ ist bewusst so geschrieben, dass es nicht als reines Agile-/Scrum-Buch wahrgenommen wird, sondern Teamleitungen praxisnah hilft: mit 20 Gewohnheiten plus Arbeitsmitteln, die Schritt für Schritt eingeschliffen werden können.





Die drei Standardfragen



Warum ist Projektmanagement wichtig?


Projektmanagement ist wichtig, weil es Struktur, Führung und Rahmenbedingungen liefert, um gemeinsam zu klären: Was ist wirklich wichtig? und Was lassen wir bewusst weg? Es hilft, einen gemeinsamen Fokus/Nordstern zu schaffen, damit Teams nicht „1000 Dinge“ machen, von denen am Ende zu wenig beim Kunden ankommt. Es ist damit ein Mechanismus für Ausrichtung und Ergebnisorientierung.



Warum scheitern so viele Projekte?


Alisa nennt als Hauptgründe: fehlendes Alignment (Menschen arbeiten aneinander vorbei), zu starke Plan-Illusion (man glaubt, langes Planen liefert automatisch die beste Lösung) statt sinnvoller Feedback-Schleifen, sowie Kommunikations- und Abstimmungsdefizite.


Zusätzlich kritisiert sie Multitasking-Systeme: Menschen werden wie Ressourcen in Tabellen auf mehrere Projekte parallel verplant, sitzen in zu vielen Meetings und verlieren durch Kontextwechsel so viel Kapazität, dass echte Wertschöpfung ausbleibt.



Unterschied zwischen Theorie und Praxis – welches Problem entsteht daraus?


Für Alisa ist nicht das Abweichen vom „Standard“ das Kernproblem, sondern dass dabei oft der Zweck eines Elements verloren geht. Wenn z. B. ein Review nur ein Statusmeeting ist, dann liefert es nicht das, was es liefern soll: echtes Feedback, Validierung von Annahmen, Risikoreduktion und Kurskorrektur. Das führt zu Frust („Warum machen wir das?“) und zur Abwertung der Methode – obwohl eigentlich nur die Wirklogik nicht umgesetzt wurde.



Scrum

 
 
 

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